Donnerstag, 19. April 2018

Mit dem Langstock über den Frankfurter Hauptbahnhof




BildbeschreibungAnna Courtpozanis und ich sitzen auf dem Frankfurter Hauptbahnhof auf der Bank und plaudern angeregt darüber, wie barrierefrei der Bahnhof für Blinde und Sehbehinderte ist.

Zielsicher kommt Anna auf dem Blindenleitstreifen von einem der Gleise auf mich zu. Ich warte auf einer der Plattformen mit Noppen auf sie, die den taktilen Kontrast zwischen dem Leitstreifen und dem angrenzenden Bodenbelag noch erhöhen. Die Plattform soll in diesem Fall blinden oder sehbehinderten Menschen zeigen, dass der Leitstreifen hier eine Abzweigung nimmt. Viel zu oft, so 
erklärt mir Anna, laufen Leute gedankenlos über die Leitstreifen und eben auch über die Noppenplatten, bleiben sogar darauf stehen, so dass es für Menschen, die mit dem Langstock 
unterwegs sind, schwierig ist, sich zu orientieren.




BildbeschreibungDie Plattformen mit Noppen erhöhen den taktilen Kontrast zwischen dem Leitstreifen und dem angrenzenden Bodenbelag. Sie sollen blinden oder sehbehinderten Menschen zeigen, dass der Leitstreifen hier eine Abzweigung nimmt.

Anna ist geübt, sich auf Bahnhöfen und anderswo zurecht zu finden. Die Sozialpädagogin, die bei Web for all jahrelang für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich war und jetzt als Jobcoach für Menschen mit Behinderungen arbeitet, ist von Geburt an blind. Heute will sie mir für einen kleinen Film erklären, wie sie sich auf dem Frankfurter Hauptbahnhof orientiert. Dazu bin ich zusammen mit Siegurd Seifert von Inclusio Medien e. V. (www.inclusio-medien.de) nach Frankfurt angereist. Der Film soll als Einspieler für eine Sendung im Rahmen des zu Beginn dieses Jahres gestarteten TV-Projektes "Du hast das Wort" dienen. In diesem Projekt sollen vor allem Menschen mit Behinderungen zu Wort kommen und ihre Sicht auf die Dinge darlegen können. Denn immer noch wird in den Medien - wenn überhaupt - viel zu viel über sie berichtet, statt dass sie es selbst tun könnten.



BildbeschreibungSiegurd Seifert verkabelt Anna, damit sie später im Einspieler trotz aller Nebengeräusche auf dem Bahnhof gut zu verstehen sein wird.

Wir begrüßen uns herzlich und schlendern gemächlich über den Hauptbahnhof. Anna, weil sie sich auf das Leitsystem konzentrieren muss, und ich, weil ich halt eine lahme Ente bin. Ich erzähle Anna, dass ich normalerweise Respekt vor den Besitzern von Langstöcken habe, denn sie sehen nicht, dass ich mit Krücken unterwegs bin, und könnten mich so durchaus zum Fallen bringen. Wir einigen uns, dass ich immer rechts von ihr gehen werde, so können wir uns aufeinander einstellen und ich kann nicht über ihren Stock stolpern. Das klappt super.

Anna zeigt mir zunächst, wie sie das richtige Gleis findet. Dazu muss sie mit ihrem Langstock dem Leitstreifen folgen und die Noppenplatten abzählen, die die Abzweigung zum Gleis jeweils ankündigen. Auf Bahnhöfen mit Treppen, so Anna, findet sie die Nummer des Gleises i. d. R. am Ende des Handlaufes in Brailleschrift. Aber in Frankfurt erreicht man alle Regional- 
und Fernzüge - abgesehen von den S-Bahn-Zügen - auf einer Ebene.

Ich frage Anna, wie sie die Entwicklung der Barrierefreiheit in den letzten Jahren einschätzt. Und was ihr in der Zukunft das Reisen noch weiter erleichtern würde. Sie antwortet mir, dass es viele Fortschritte in dieser Hinsicht gäbe, dass es oft aber ein zu langsamer Prozess sei, um etwas in die richtige Richtung anzustoßen. Für die Zukunft wünsche sie sich zum einen digitale Beschreibungen der Bahnhöfe, damit blinde Menschen sich besser orientieren können. Und denjenigen, die nicht im Internet unterwegs sind, könnten tastbare Orientierungspläne der Bahnhöfe helfen.



BildbeschreibungAußer Siegurd Seifert von Inclusio Medien e. V. (links) und Anna Courtpozanis (rechts) ist Ellen Engel-Kuhn, Leiterin der Kontaktstelle Behindertenangelegenheiten der Deutschen Bahn, mit dabei. Sie erklärt, dass für die Deutsche Bahn blinde und sehbehinderte Menschen eine wichtige Zielgruppe sind.

Ellen Engel-Kuhn, Leiterin der Kontaktstelle Behindertenangelegenheiten der Deutschen Bahn, gibt mir am Ende unseres Rundganges noch ein kleines Interview und erzählt davon, dass mit dem ICE 4, der seit Dezember 2017 im Einsatz ist, Reisende mit Sehbehinderungen sich nun vom Einstieg in den Zug - durch ein Zugfindesignal - bis zum reservierten Platz, zur Toilette oder ins Bordrestaurant über tastbare Hinweise (taktile Piktogramme, Brailleschrift und Leitschienen) leiten lassen können. Damit sei der ICE 4 Vorreiter in der barrierefreien Ausstattung.

Demnächst wird die Sendung "Du hast das Wort", u. a. zum Thema "Barrierefrei Reisen mit der Deutschen Bahn" inklusive des kleinen Filmchens, den wir heute gedreht haben, auf dem Offenen Kanal Alex Berlin zu sehen sein.





Sonntag, 4. März 2018

Winterfreuden in der Kunsthalle Rostock





Seit Tagen lebte ich in der selbst gewählten Verbannung in meiner eigenen Wohnung. Lange hatte es nicht mehr so viel geschneit. Und die Straßen und Wege waren nicht geräumt, geschweige denn gestreut. Doch mehr noch als die nicht gestreuten Wege brachten mich diese teils matschigen, teils vereisten Stellen - unter anderem an den Eingängen zu Supermärkten, in Bussen und Straßenbahnen - dazu, innerlich zu verkrampfen: Was wäre wenn? Mich durchzuckte regelmäßig die Vorstellung, mit den Krücken auszurutschen und der Länge nach hinzusegeln. Meine Verbannung - dann nicht mehr selbst gewählt - würde deutlich länger dauern als ein paar Tage. Und in Abwägung der Frage, ob ich das Risiko dennoch eingehen und meine Termine einhalten oder ob ich lieber zu Hause bleiben und mich den wichtigen Dingen an meinem Schreibtisch widmen sollte, entschied ich mich für Letzteres.

Doch nach vier Tagen war ich mit meiner Geduld am Ende. Ich merkte, wie es in mir dampfte und danach schrie, wieder am wirklichen Leben teilnehmen zu können. Die Sonne lachte. Und - ja - ich liebe diese kalte, trockene Winterluft, die den Kopf freischaufelt und den Geist inspiriert. Und als mich ein guter Freund besuchte, versuchte ich, ihn kurzerhand zu überzeugen, etwas zu unternehmen. Irgendetwas, nur raus aus dem Haus. An seiner Hand mit dem vermeintlich sicheren Gefühl, gehalten zu werden, wenn ich ins Rutschen käme.

Wir recherchierten eine ganze Weile. Denn was kann man ganz spontan im Winter in Rostock unternehmen, wenn man nicht gerade einen langen Spaziergang am Wasser unternehmen will? Die Wege draußen sollten sich schon in Grenzen halten. Ich wollte nicht gleich übertreiben.
Im Kinoprogramm fanden wir nichts Vernünftiges. Ich hätte mir schon gern "Die Verlegerin" angeschaut, obwohl mich der Trailer nicht wirklich umhaute, aber meinen Freund konnte ich nicht überzeugen. Alle anderen Filme kamen für uns beide nicht in Betracht. Im Volkstheater gab es für die Premiere von "Fame" nur Restkarten an der Abendkasse. Und auch sonst fand sich nichts, was uns wirklich lockte.


Doch. Wir wurden fündig. In der Kunsthalle wird gerade die Ausstellung "Erich Kissing und Kerstin. Maler und Modell" gezeigt. Außerdem Illustrationen von Nuria Quevedo zum Buch "Kassandra" von Christa Wolf. Das könnte etwas sein. 



Wir machten uns auf den Weg, Hand in Hand, und es ging besser als gedacht. Ich konnte das Kopfkino verdrängen. Die Wege direkt zur Kunsthalle waren zwar ebenfalls nicht gestreut und das Gelände um die Kunsthalle herum eine einzige Baustelle - zum einen wegen Sanierungsarbeiten an einem Regenwassersammler und einem Teilstück der Trinkwasserleitung. Zum anderen wegen des Neubaus eines Schaudepots zur Erweiterung der Kunsthalle. Hier wird ein 27 x 27 Meter großer Bau entstehen, der auf zwei Etagen rund 1.100 m² Ausstellungs- und Schaudepotfläche schaffen wird. Und das ganze soll barrierefrei werden. Endlich. Es soll dann möglich sein, von diesem Schaudepot aus durch einen Gang stufenlos in die obere Etage der "alten" Kunsthalle zu gelangen. Diese Etage ist jetzt nur über eine hohe Treppe zu erreichen.



Die Ausstellung "Erich Kissing und Kerstin. Maler und Modell" beeindruckte mich sehr - diese surrealen Szenen, in denen der Leipziger Künstler die Beziehung zwischen Mann und Frau verhandelt - großflächig gemalt in feiner Technik. Mehr noch aber berührte mich der zweite Teil der Exposition, die sich mit der Beziehung Kissings und seinem Modell Kerstin beschäftigt, die in 17 seiner Gemälde auftaucht. Ein Modell, auf das auch andere Künstler, insbesondere Fotografen, ihren Blick richteten. Mir gefielen dabei vor allem die Aktfotografien in Schwarz-Weiß von Günter Rössler, dem berühmtesten Aktfotografen der ehemaligen DDR, die die Sinnlichkeit dieser schönen Frau einfangen.

Insgesamt eine sehr sehenswerte Ausstellung, die noch bis zum 1. Mai einlädt. Ich möchte aber nicht unerwähnt lassen, dass mich - neben den Illustrationen von Nuria Quevedo zu Christa Wolfs "Kassandra" - die Ausstellung "Schüler stellen aus" besonders begeisterte. Schüler aus 25 Schulen aus Rostock und dem Umland werfen in 847 Arbeiten eine Blick auf unsere Gesellschaft. Arbeiten, die die Zuversicht geben, dass Menschen heranwachsen, die nachdenkem, was um uns herum passiert.

Ich bin wieder im Leben angekommen. Der Kopf ist frei. Morgen soll es warm werden. Es könnte Blitzeis geben. Für ein paar Stunden. Das schaffe ich.


Montag, 1. Januar 2018

Die Sache mit den guten Vorsätzen



Eine Bekannte hatte mir Anfang Dezember von den "Raunächten" erzählt. Einem alten Brauch aus germanischer Tradition. Die Raunächte, beginnend entweder am 20., 21. Dezember, der Wintersonnenwende, oder am Heiligen Abend, werden als symbolische Tage des Übergangs – wie z. B. vom Leben zum Tod und umgekehrt (Neu- und Wiedergeburt) gesehen – also auch als eine Art Zeit der Auf- oder Abrechnung über die Taten des vergangenen Jahres. An diesen Tagen soll man sich besinnen und auf jeden Fall eine Neubestimmung oder weiterführende Pläne für das neue Jahr finden.

Bisher hatte ich mir immer am Silvestertag überlegt, ob ich mit dem vergangenen Jahr zufrieden sei und was ich mir für das kommende Jahr vornehmen wolle. Meistens war ich mit meinen Vorsätzen kläglich gescheitert. Und so fragte ich mich, warum es uns eigentlich so schwer fällt, unsere Vorsätze tatsächlich zu realisieren. Warum wir uns etwas vornehmen, was wir dann nicht in der Lage sind umzusetzen.

Ich begann, mich intensiv mit den Raunächten auseinanderzusetzen - nicht in einer religiösen oder spirituellen Art und Weise. Nein, ich dachte intensiv darüber nach, was ich in meinem Leben verändern wollte. Und mir gefiel dabei der Ansatz, das nicht an Silvester zu tun, an einem Tag oder nur einem Nachmittag. Nein, ich beschäftigte mich - seit der Wintersonnenwende - damit, was ich im Jahr 2018, das nun vor mir lag, zu tun gedachte. Was ich aus diesem Jahr machen wollte. Dabei wurde mir klar, dass es mir im vergangenen Jahr nicht gelungen war, mich jeden Tag als Erstes nach dem Frühstück für zwei Stunden an den Schreibtisch zu setzen und nur zu schreiben. Das nämlich war mein wichtigster Vorsatz für 2017 gewesen. Statt dessen hatte es immer wieder Dinge gegeben, die scheinbar wichtiger waren. Ich war von einer Sache zur nächsten gehetzt. Und viele Dinge, Artikel und andere Projekte wurden nicht oder unter hohem Zeitdruck realisiert.

In meinem Kalender hatte ich seit einiger Zeit etwa zwanzig Tage um den Jahreswechsel herum grün markiert. Darauf stand "Arbeitsurlaub". Meine Tochter hatte mich für verrückt erklärt, als ich ihr davon erzählte. "Du weißt schon, was Urlaub bedeutet?" hatte sie mich etwas spöttisch gefragt. "Ich habe einfach seit Langem das Bedürfnis, an einem Stück intensiv zu arbeiten. Mich tief hineinzuknien", entgegnete ich ihr. "Dieser Leere zu begegnen, die davon ausgelöst wird, einfach immer nur Dinge zu tun, weil ich sie angeblich tun muss. Und dabei kostbare Lebenszeit zu verschenken."

Als ich am nächsten Morgen aufstand, bereitete ich mir sehr sorgfältig das Frühstück zu, trank in Ruhe meinen Kaffee und setze mich direkt an den Schreibtisch. Und schrieb. Das machte ich viele Tage. Am Abend hatte ich stets das Gefühl, ein Ergebnis in der Hand zu halten. Das machte mich froh, auch an trüben Tagen.

Insofern hoffe ich auf ein kreatives Jahr. Ein Jahr voller Ergebnisse. Und der Überzeugung, dass wir viel mehr in der Hand haben, als wir oft denken. Daran zu glauben, dass wir etwas verändern können, wird mich weiter antreiben,


Samstag, 23. Dezember 2017

Das Wichtigste ist das Fundament



Endspurt! Die letzten Einkäufe erledigen. Wohnung putzen. Geschenke einpacken. Backen. Kochen. Zum Ausruhen bleibt kaum Zeit. Schon gar nicht, sich zu besinnen, Freunde zu treffen. Das
habe ich mir anders vorgestellt. Seit Tagen will ich ein paar freie Tage genießen, unerledigte Dinge aufarbeiten und endlich mal wieder in Ruhe schreiben. Doch daran ist nicht zu denken. Und nun? Was ist Weihnachten - für uns ganz persönlich - in dieser hektischen Zeit? Was machen wir daraus? Lassen wir uns mitreißen von diesem Wahnsinn, der letztendlich nur dieses kranke System noch kranker macht? Oder setzen wir etwas dagegen?

Und dazu die quälende Frage: Was schenkt man den Kindern bzw. Enkelkindern zu Weihnachten? In einer Zeit des Überflusses, in der man scheinbar alles kaufen kann, was das Herz begehrt. In einer Zeit, in der die Marktwirtschaft Nachfragen erzeugt, die es eigentlich gar nicht gibt. Man muss nur das entsprechende Kleingeld haben. 

Was kann ich anders machen? Womit kann ich Freude bereiten? Die Kreativität und Fantasie meiner Enkelkinder beflügeln und ihnen gleichzeitig Wertschätzung vermitteln? Wie sät man Begeisterungsfähigkeit und Leidenschaft? Und wie schafft man es, dass sie Freude darüber empfinden können, etwas durch eigenes Zutun - sei es mit dem Kopf oder mit den Händen - geschaffen zu haben?




Ich hatte lange nachgedacht und machte mich am letzten Wochenende endlich auf den Weg in die Innenstadt von Rostock, wo auf dem größten Weihnachtsmarkt Norddeutschlands der Bär steppte und Menschen aus Nah und Fern und gar aus Skandinavien anlockte. Ich verstand nicht ganz, was so bemerkenswert an diesem Ereignis war, immerhin findet man seit Jahren konstant die gleichen Buden - mit vielen Dingen, die der Mensch eigentlich nicht braucht - am gleichen Platz. Es war so voll, dass es an manchen Stellen kaum möglich war, vorwärts zu kommen. Was trieb die Menschen an, hierher zu kommen? Wollten sie alle nur wie ich die letzten Gaben kaufen? 

Augen zu und durch, sagte ich mir und steuerte zielsicher einen Spielzeugladen an, um eine große Duploplatte zu kaufen. Denn immer, wenn ich bei meinen Enkeln zu Besuch bin und wir stundenlang die Lego- und Duplobausteine aufeinanderstecken, um ein Haus zu bauen, fehlt uns eine große Platte. Mein Vater hatte uns Kindern oft die Worte meines Großvaters, der Maurer gewesen war, ans Herz gelegt: "Das Wichtigste ist das Fundament". Und in der Tat, dieses Fundament, die Grundlage für die Stabilität des Hauses, konnten wir nun legen. Und damit die beiden Jungen nach der Grundsteinlegung ihrer Fantasie freien Lauf lassen können, kaufte ich noch einen Eimer mit einzelnen Bauelemente wie Türen und Fenster dazu.

Ich weiß, das wird am 24. Dezember ein langer Abend werden. So wie früher, als ich das mit meinen Kindern tat und sie Häuser errichteten - bunt und anders, als sie diese oft aus der Realität kannten. Die aber dabei lernten, wie beglückend es sein kann, nach alternativen Gestaltungsmöglichkeiten abseits des Mainstreams zu suchen.

Und wer bringt morgen die Geschenke? Der Weihnachtsmann? Nun, ich habe mir etwas anderes einfallen lassen. Ich bzw. meine Kasperlepuppen werden ein neues Theaterstück aufführen: "Das gestohlene Geschenk". Am Ende sind dann hoffentlich alle Geschenke bei demjenigen, für den sie gedacht sind.

In diesem Sinne:

Fröhliche Weihnachten!





Montag, 6. November 2017

Kleine Festivalnachlese:

Nachdem gestern die DOK zu Ende gegangen ist, möchte ich Euch noch auf zwei bzw. drei Filme hinweisen, von denen hoffentlich zwei in die Kinos kommen.



(Quelle: DOK Leipzig 2017)


Zum einen auf die israelisch-deutsche Koproduktion „Muhi – Generally Temporary“. Erzählt wird die Geschichte des sechsjährigen Muhi aus dem Gazastreifen. In diesen kleinen Jungen habe ich mich sofort verliebt. Bitte schaut Euch auf Youtube das Lächeln dieses Jungen an, der sein ganzes bisheriges Leben in einem israelischen Krankenhaus verbrachte.


https://m.youtube.com/watch?v=8AfZl-GedyQ


Er leidet an einer Autoimmunkrankheit, aufgrund derer ihm mit zwei Jahren beide Füße und Hände amputiert werden mussten. Besonders beeindruckt hat mich an diesem Film die Darstellung der liebevollen Beziehung zwischen Muhi und seinem Großvater. Denn aufgrund des Konfliktes zwischen Israel und dem Gazastreifen als Teil des Palästinensischen Autonomiegebietes kann er nicht bei seiner Mutter leben.

Dieser ermutigende Film wurde am Sonnabend mit der Goldenen Taube im Deutschen Wettbewerb ausgezeichnet. Ich hoffe, wir können ihn bald im Kino sehen.




(Quelle: DOK Leipzig 2017)


Riesig freue ich mich auch darüber, dass der Film "Wildes Herz" von Charly Hübner, einem meiner Lieblingsschauspieler, und Sebastian Schultz vier Preise abgeräumt hat. Ein sehr authentischer Film, der beweist, dass Mecklenburg-Vorpommern noch "nicht komplett im Arsch" ist, wie es in einem der Songs der antifaschistischen Rockband "Feine Sahne Fischfilet" heißt. Jan "Monchi" Gorkow, der Protagonist des Films, hat einen weiten Weg hinter sich vom Hansa-Rostock-Hool zum Sänger der Band, die auch schon mal im Verfassungsschutzbericht des Landes auftauchte.


Zum Beispiel wegen eines Songs wie "Wut".

"Das Lied ist auch daraus entstanden, dass jeder Nazi-Marsch von der Polizei durchgeprügelt wurde,

selbst gegen die größten Blockaden. Wenn in Demmin vor fünf, sechs Jahren kein Mensch gegen die Nazis demonstriert hat, und jetzt da 500 Leute sich auf die Straße setzen, und die Polizei 200 Neonazis mit Fackelaufmarsch am 8. Mai, am Tag der Befreiung, durchprügeln mit Wasserwerfern, Landtagspolitikerinnen dort angreifen, Antifaschistinnen angreifen, dann hat man einfach das Gefühl von Hilflosigkeit und das Gefühl von 'Fick Dich, Bulle'."

Auf der Seite der DOK Leipzig heißt es dazu:

"Gegen diese Hilflosigkeit, die zur aktuellen Stimmung im ganzen Land passt, hilft ironischerweise: dieser Film. Helfen die Geschichte und das entschiedene Engagement von Monchi und seiner Band."

Der Film "Wildes Herz" steht meiner Meinung nach im krassen Gegensatz zu "Montags in Dresden". Der Film wurde auf der DOK in der Osthalle des Leipziger Hauptbahnhofs gezeigt. Die Plätze auf den Stühlen reichten nicht, auch nicht die auf den Treppen. Die Leute aller Altersgruppen saßen auf Kissen auf der Erde, viele standen, die Erwartung an den Film war groß. Meine zumindest jedoch wurde enttäuscht. Auch wenn die Regisseurin Sabine Michel versuchte, sich den Protagonisten sehr persönlich zu nähern - sie hat drei Pegida-Demonstranten über ein Jahr lang begleitet und sie sehr persönlich befragt. Überzeugen und die wirklichen Ursachen von Pegida aufdecken - das gelang ihr nur unzureichend.

Mein Hauptkritikpunkt an dem Film ist aber, dass Sabine Michel den Film beendet mit den Worten, sie hätte den Menschen zwar zugehört, sie teile aber deren Ängste nicht, das sei nicht ihre Welt. Sie werde deshalb wieder aus Dresden fortgehen. Einen Lösungsansatz bietet sie also nicht. Das wurde auch in der Diskussion klar, die im Anschluss an den Film stattfand und in der Sabine Michel mit Allgemeinplätzen auf die Wortbeiträge derjenigen anwortete, die die Ängste teilen bzw. bereit sind, Pegida etwas entgegen zu setzen.

Freitag, 3. November 2017

Abenteuer Deutsche Bahn - eine Fortsetzung 



Nach zwei fast perfekten Tagen hatte ich, nachdem ich meine Fahrkarte in der Hand hielt und nach Rostock mit dem IC ohne Umsteigen durchfahren wollte, irgendwie das Gefühl, dass es so nicht weiterging. Zwei Tage, an denen die Logistik für mich mit überall kurzen Wegen stimmte. Gut, Kleinigkeiten gibt es immer - zum Beispiel die Tür in dem von mir gebuchten Hotel (IBIS budget). Um sie zu öffnen, hätte ich eigentlich vorher drei Wochen in die Muckibude gehen müssen, so schwer war sie. Aber unter Einsatz aller meiner Kräfte gelang es mir.

Aber dann kam es dicke. Wir waren vielleicht eine halbe Stunde von Leipzig entfernt, als unser Zug zum Stehen kam. Lange erfuhren wir nicht den Grund. Schließlich kam die Durchsage, es gäbe einen Schaden am Triebwagen. Alle sollten aussteigen, durch die Unterführung zum anderen Bahnsteig gehen und dort auf den nächsten IC warten, der bis Berlin fahren sollte. Gesagt getan, ich stieg, wie die anderen Fahrgäste auch, aus dem Zug und lief die lange Rampe runter und auf der anderen Seite wieder hoch. Dort angekommen, erfuhr ich, dass der dort wartende Zug völlig überfüllt war und niemanden mehr mitnahm. Außerdem sei "unser" Zug doch wieder fahrbereit und wir sollten zurückgehen. In mir regte sich langsam Unmut, zumal ich mir Gedanken machte, ob ich den Zug auch rechtzeitig erreichen würde. Nur zu gut kannte ich die Mentalität der Leute in solchen Fällen, die dann einfach nur losstürmten. Wie sollte der Zugfahrer wissen, dass da noch eine lahme Ente hinterhergewatschelt kam?

Eine junge Frau mit einem kleinen Kind in einer Sportkarre sprach mich an, ob sie mir meinen Rucksack abnehmen könne. Ich nahm gern an, machte sie aber darauf aufmerksam, dass auch sie dann nicht so schnell sei. Das machte ihr allerdings nichts aus. Wir stiegen also wieder in den Zug, der sich tatsächlich nach einer Weile in Bewegung setzte. Wir hatten inzwischen eine Verspätung von 66 Minuten. Doch die Freude der Weiterfahrt währte nicht lange. Der Zug blieb erneut stehen und wir wurden aufgefordert, den Zug wieder zu verlassen und auf einen anderen Bahnsteig zu wechseln. Diesmal gab es keine Rampe, nur eine Treppe. Aber wieder war die junge Frau an meiner Seite und nahm mir wie selbstverständlich den Rucksack ab.

Wir stiegen in einen ICE, der ebenfalls völlig überfüllt war. Auf den Gängen standen überall Leute, so dass ich nur mit Mühe in den Zug hineinkam. Einer der Passagiere sprach ein junges Mädchen an, mir doch ihren Sitzplatz zu überlassen. Das tat sie auch und wir kamen tatsächlich in Berlin Hauptbahnhof an.  Super. Doch leider fahren momentan nur die ICs und ICEs ab Berlin Hauptbahnhof in Richtung Norden  durch. Mit dem Regio - und etwas anderes  fuhr um diese Zeit nicht mehr - kann man wegen einer Baustelle nur ab Oranienburg nach Rostock fahren. Das heißt, ab Hauptbahnhof musste ich  zunächst mit der S-Bahn nach Friedrichstraße, dort umsteigen und dann nach Oranienburg. Inzwischen ist es 22.38 Uhr. Ich hoffe, den Rest der Strecke schaffe ich ohne Zwischenfälle.

Sandmädchen - Die besondere Filmempfehlung



Manchmal, so erzählt Veronika Raila, fühle sie sich wie ein Monster. Wie ein wütendes Monster. Sie sei wütend, weil sie sich ausgegrenzt fühle. Die junge Frau will die Zuschauer deshalb auf eine Reise mitnehmen und ihnen die Inseln ihrer Wahrnehmung zeigen. Mark Michel, der Regisseur, ist dabei ihr Vermittler. Denn Veronika kann nicht sprechen. Sie kann nur über ihr Schreiben mit anderen Menschen in Kontakt treten. Sie lebt mit Autismus und schweren körperlichen Beeinträchtigungen. Die Ärzte hatten ihren Eltern nach der Geburt gesagt, dass sie so gut wie kein Gehirn hätte. Heute studiert sie Literatur und Theologie und schreibt Gedichte und Geschichten. 


“Ich habe nur das Schreiben um mich mitzuteilen, das Schreiben um meine Gefühle und Gedanken auszudrücken. Das Schreiben ist meine Verbindung zur Außenwelt – hätte ich dieses Schreiben nicht würde ich in der Tiefe eines vergessenen Brunnens sitzen", beschreibt Veronika auf der Internetseite www.sandmädchen.de ihre Situation.

Warum "Sandmädchen"? - Sand wird von Veronika als Metapher verwendet, denn Sand ist instabil, Sand zerbröselt. Das wird im Film sehr beeindruckend bildlich umgesetzt - zum einen durch die Sandmalereien von Anne Löper. Zum anderen dadurch, dass immer wieder Bilder vom Meeressand gezeigt werden - und Veronika auf diesem Sand wie in ihrem Element.

Auch wenn ich schon an vielen besonderen Lebenswegen Anteil nehmen konnte, hat mich das Schicksal von Veronika Raila zutiefst bewegt, insbesondere wie sie es schafft, so lebenszugewandt zu schreiben. Ich habe nach der Filmvorführung mit ihr Kontakt aufgenommen. Wir werden ein Interview per E-Mail führen und ich werde es in meinem Blog http://inklusiv.wordpress.com veröffentlichen.

Donnerstag, 2. November 2017

DOK Leipzig setzt auf Barrierefreiheit


Bildunterschrift: Nachdenklich - Gerald Schuster, Inklusionsbeauftragter der DOK, macht sich die Beantwortung meiner Fragen nicht leicht.

Dass die DOK, das Internationale Leipziger Dokumentar- und Animationsfestival, sich einen Inklusionsbeauftragten leistet, hätte ich nicht unbedingt vermutet. Doch tatsächlich widmet das Festival dem Thema Barrierefreiheit große Aufmerksamkeit. Nicht unbedingt in Hinblick auf die bauliche Zugänglichkeit der Kinos. Da muss man ganz klar sagen, dass die Leipziger Kinos nicht barrierefreier sind als die Kinos anderswo. Oft mangelt es einfach an ausreichend Plätzen für Rollstuhlfahrer, auch Induktionsschleifen findet man kaum. Wenn wir in diesem Fall von
Barrierefreiheit sprechen, geht es vor allem um die Zugänglichkeit der Filme für Menschen mit
Sinnesbeeinträchtigungen.

Für 13 Filme wurde zum Beispiel eine Audiodeskription erstellt. Viele Filme wurden untertitelt. Und in einer Reihe der Streifen sind die Protagonisten Menschen mit Behinderungen. Dabei steht aber nicht ihre Behinderung im Mittelpunkt. Es geht immer um ihre Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Widersprüchen.
Gerald Schuster gab mir bereitwillig Auskunft daüber, inwieweit das Festival das Publikum sensibilisieren kann, sprach über die Vorteile von Audiodeskriptionen und über die App GRETA und STARKS. Das komplette Interview könnt Ihr am 14. November um 13.00 Uhr auf Alex Berlin in der Sendung "Voll normal" hören.




Bildunterschrift: Gerald Schuster und Barbara Fickert im Gespräch über die Barrierefreiheit der DOK

Toll, dass Gerald mir Barbara Fickert vorstellte. Sie bloggt in "Blindgängerin" (www.blindgaengerin.com). Welch passender Name für einen Blog angesichts der Tatsache, dass sie selbst blind ist. Für die DOK kommentiert sie dort eine Reihe von Filmen.
Auch mit Ihr führte ich ein Interview, das am 14. November zu hören sein wird.

Sonntag, 15. Oktober 2017

Hautnah mit den Elefanten - 
Zu Gast im Elefantendorf Platschow


Alle sprachen seit Tagen davon, dass am Sonntag der Sommer zurückkehren würde. Richtig warm und sonnig sollte es werden. Anlass, einen Familienausflug ins Grüne zu planen. Die Frage war: Was kann man bei schönstem Wetter mit zwei kleinen Jungs im Freien anstellen, wenn der Eine noch nicht laufen, sondern nur beobachten kann und der Andere gerade dabei ist, die Welt zu entdecken und vor allem Tiere und Autos liebt. Meine Schwiegertochter schlug das Elefantendorf in Platschow vor, ein kleines Dorf im Süden Mecklenburg-Vorpommerns an der Grenze zu Brandenburg, nur etwa 15 Kilometer von der Ausfahrt 15 (Parchim) bzw. 16 (Suckow) der A24 (Hamburg-Berlin) entfernt. Hier lebt auf einem ehemaligen Bauernhof Familie Frankello mit afrikanischen und asiatischen Elefanten und vielen anderen Tieren: Kamele, Watussi-Rinder, Lamas, Esel, Enten, Hasen und vieles mehr.


Meine Schwiegertochter war diejenige unter uns, die sich traute, auf einem der Elefanten zu reiten.




Ein besonderes Highlight waren auch die aus der RTL-Show „Das Supertalent“ bekannten  Seelöwen „Itchy“ und „Scratchy“. Die Vorführungen mit den Seelöwen und die Zirkusvorführungen mit den Elefanten finden mehrmals täglich statt und sind im Eintrittspreis enthalten.


 



Neben den vielen Tieren, die es zu entdecken gab, fand der kleine Emil ausreichend Gelegenheit zum Spielen. Man konnte auch etwas zu Essen kaufen. Wir hatten allerdings vorgesorgt und unser Picknick selbst mitgebracht. Dafür gab es genügend Tische und Bänke, auf denen man sich niederlassen und verweilen konnte.


Den nahegelegene Parkplatz konnten wir kostenfrei benutzen. Zugegeben, für mobilitätseingeschränkte Besucher war der Weg durch das Elefantendorf nicht ganz einfach. Es gibt zwar auf dem ganzen Gelände keine Treppen. Aber es empfiehlt sich eine Unterstützung beim Rollen über Kopfsteinplaster, Wiese und Sandboden. Es gibt hier aber sogar eine rollstuhlgerechte Dixie-Toiletten und einen Baby-Wickelraum. Hunde dürfen angeleint mitgebracht werden. Für sinnesbehinderte Menschen gibt es leider keine Angebote.



Samstag, 7. Oktober 2017

Auf der Suche nach einem barrierefreien Urlaubstipp   
                - touristische Angebote auf der REHACARE -



Ehrlich gesagt: Insgesamt war das touristische Angebot nicht so wirklich üppig auf der REHACARE. Aber so war es auch schon in den Jahren zuvor. Warum das so ist, weiß ich nicht. Liegt es an den hohen Standpreisen auf der Messe? Ist die Nachfrage nach barrierefreien Urlaubsangeboten zu gering? Oder gibt es gar zu wenige Offerten? Fakt ist, dass es in Deutschland insgesamt knapp zehn Millionen Menschen gibt, die mit einer Behinderung leben. Hinzu kommen die zahlreichen Angehörigen und all diejenigen, die in Zukunft altersbedingt auf barrierefreie Angebote angewiesen sein werden. Aus meiner Sicht eine bedeutende Zielgruppe, die durchaus auch über das nötige Kleingeld verfügt, um zu reisen.




Dass die Nachfrage groß ist, bestätigte mir Annette Rösler,  Projektmanagerin „Tourismus für Alle“ beim Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern. Sie berichtete, dass am Stand "Barrierefreies Reisen in Deutschland" kräftig der Bär steppte und dass das Interesse - besonders an einem barrierefreien Urlaub an der Ostseeküste - sehr groß war. 
(https://www.auf-nach-mv.de/barrierefrei)




Am gleichen Stand fand ich auch die Arbeitsgemeinschaft Barrierefreie Reiseziele in Deutschland. Dieses Netzwerk besteht aus Tourismusdestinationen, die sich der Barrierefreiheit in besonderem Maße verschrieben haben. Auch hier war meiner Beobachtung nach die Nachfrage groß. Ich persönlich bekam einen sehr interessanten Reisetipp. So wird noch in diesem Jahr in der Lausitz ein weiterer künstlicher See fertig geflutet sein. Man muss sich vorstellen, dass die Lausitz vor mehr als 100 Jahre vor allem durch die Braunkohle geprägt war. Das ist bald vorbei. Stattdessen entsteht hier die größte künstliche Wasserlandschaft Europas. Zehn Seen sind inzwischen touristisch nutzbar, also für Wassersport und zum Baden geeignet. Ein Dutzend Gewässer befindet sich „in der Flutung“, in ein paar Jahren sollen zehn Seen über Kanäle miteinander verbunden und schiffbar werden. Auf einer Pressereise im Jahre 2012 hatte ich bereits Gelegenheit, mir diese höchst zukunftsträchtige Landschaft anzusehen. Da ist es eigentlich an der Zeit, vor Ort nach dem Stand der Dinge zu sehen, oder?



Von besonderem Interesse ist aus meiner Sicht auch, dass die Hansestadt Rostock seit Anfang dieses Jahres zu den nunmehr zehn Regionen gehört, die sich in der AG Barrierefreie Reiseziele zusammengeschlossen haben. Eine Stadt, die wirklich viel zu bieten hat - und das sage ich nicht nur als gebürtige Rostockerin. Erst durch die Altstadt bummeln und dann am Stadthafen sitzen und einen Sonnenuntergang genießen, in Warnemünde lecker Fisch essen und danach einfach nur am Strand sitzen und den Blick über das Meer bis zum Horizont schweifen lassen - das ist einfach wunderbar.

Ich möchte an dieser Stelle ein paar weitere, wenn auch wenige Reisetipps geben.

SERVICE:

1 - Das HausRheinsberg stellte sich nach einem Relunch mit neuem Namen vor: Seehotel Rheinsberg - das barrierefreie Haus mit seinen zahlreichen Arrangements für jede Jahreszeit:
https://www.hausrheinsberg.de/

2 - Imminkhoeve (deutsch: Imminkhof) ist ein Ferienhof in der Provinz Overijssel mit in jeder Hinsicht behindertengerechten Unterkünften und einem Pflegehotel.
http://www.imminkhoeve.nl/de/homepage/ 

3 - Und nun noch ein Tipp für alle Wassersportler und solche, die es werden wollen:
Sailwise aus den Niederlanden bietet seit vielen Jahren Urlaub und Wassersport für Menschen mit Behinderungen an. Alle Einrichtungen, Unterkünfte, die Wassersportinsel Robinson, der Katamaran Beatrix und der Zweimastklipper Lutgerdina sind auf die Bedürfnisse von behinderten Menschen angepasst. Die Urlaubs- und Freizeitangebote werden von qualifiziertem Fachpersonal begleitet und unterstützt. Ich habe auf jeden Fall in Düsseldorf schon einmal Probesitzen in einem der Segelboote gemacht. (Foto siehe oben)
https://sailwise.nl/de/





Mittwoch, 4. Oktober 2017

Ein interessantes Angebot für mehr Mobilität







Wie ich bereits berichtete, bin ich auf der Suche nach einem Handbike, um meine Mobilität langfristig zu erhalten. Leider gibt es in diesem Jahr nicht viele diesbezügliche Angebote auf der REHACARE. Stricker und Speedy sind zum Beispiel nicht in Düsseldorf. Fündig wurde ich aber bei Wollturnus aus Dänemark. Die Rahmen ihrer Rollstühle und Handbikes werden angeblich aus den stärksten Materialien hergestellt - aus Aluminium 7020 T6, der stärksten schweißbaren Aluminiumlegierung, dessen Festigkeit alle Titanlegierungen übertrifft. Ich testete dieses Bike auch draußen und war ziemlich begeistert, auch von der Wendigkeit des Rollstuhls an sich..
Ein Video könnt Ihr Euch ansehen unter:
https://www.facebook.com/margit.glasow 

Nachteil: Der Rollstuhl von Wollturno hat zwar eine Hilfsmittelnummer in Deutschland, das Handbike, das übrigens in Spanien hergestellt wird, allerdings noch nicht, die ist erst beantragt worden. Meine Suche geht also weiter. 





Ich testete noch ein anderes Gefährt - und zwar der Firma Moretti aus Italien, allerdings ein reines E-Vorspannbike. Ich fand es recht stylisch, kommt für mich allerdings nicht in Frage weil es
kein Sportgerät ist und keine Hilfsmittelnummer hat. Der Preis liegt bei etwas über 3.000 €.


Montag, 2. Oktober 2017


Erfurt - Erinnerung an meine Reise im Jahre 2012



Immer wenn ich an meine Reise nach Erfurt im Jahre 2012 zurückdenke, kommt mir vor allem eines in Erinnerung: die eigens für mich von der Erfurt Tourismus & Marketing GmbH organisierte Stadtführung. Ich war nach Erfurt gereist, weil ich für das Magazin inklusiv! - Das Gesellschaftsmagazin für alle diese Stadt mit ihren Unterkünften, ihren kulturellen Angeboten und dem ÖPNV hinsichtlich der Barrierefreiheit unter die Lupe nehmen wollte. Der Stadtführer Matthias Gose gewährte mir damals einen tiefen Einblick in die geschichtliche Entwicklung der Stadt und zog in den vier Stunden unermüdlich immer wieder eine neue Story über Erfurt aus der Tasche. Toll war auch, dass ich für diese Stadtführung von der Klama GmbH einen Elektro-Scooter zur Verfügung gestellt bekommen hatte. Zu Fuß hätte ich vieles niemals sehen und erleben können.

Besonders beeindruckte mich bei der Stadtführung der Besuch der Mikwe - ein jüdisches Ritualbad aus dem 13. Jahrhundert, das 2007 von Archäologen entdeckt wurde. Ich fand den Gedanken interessant, dass dieses Bad zwar vor allem der Reinigung von ritueller Unreinheit durch Untertauchen diente, aber gleichzeitig natürlich unweigerlich auch der Hygiene. Mikwen unterliegen im Bau und in der Nutzung bestimmten Regeln. So muss vor allem das Wasser, das später zur rituellen Reinigung benutzt werden soll, besondere Anforderungen erfüllen. Es muss fließendes Wasser sein, das heißt, dass nur Wasser natürlichen Ursprungs für diesen Zweck genutzt werden kann. Frauen sollen die Mikwe am Vorabend der Hochzeit, nach der Menstruation oder der Geburt eines Kindes besuchen.





Auf die Entdeckung der Mikwe sind die Erfurter sehr stolz und möchten sie natürlich allen Erfurtern und Besuchern zeigen. Ein moderner Schutzbau dient der Sicherung des Gebäudes. Das Ritualbad kann im Rahmen von gebuchten und öffentlichen Führungen besichtigt werden. Die Gestaltung des barrierefreien Zugangs entwickelte sich zunächst nicht ganz einfach. Aber nun konnte ich bequem mit dem Scooter hineinfahren.



Es war die Krämerbrücke,

diese kleine, nur 120 Meter lange beschauliche Brücke mit ihren 32 Fachwerkhäusern, in die ich mich bei einer Reise nach Erfurt vor vielen Jahren sofort verliebte: Als ich durch die kleinen Lädchen für Kunsthandwerk und Antiquitäten bummelte, in die Fenster schaute und dabei die zum Teil wunderschön bemalten Decken bestaunte. Als ich dem Duft der exotischen Gewürze folgte und das erste Mal die Pralinen aus der Goldhelm Schokoladen Manufaktur probierte. Obwohl es für mich schon ein wenig mühsam war, diese Gewölbebrücke, die über die Gera führt, hinaufzukommen und anschließend die Gassen und Plätze der Altstadt im Umfeld der Krämerbrücke abzulaufen – und das teilweise auf Kopfsteinpflaster. Da drängte sich mir schon die Frage auf, ob der Besuch einer Stadt wie Erfurt mit einem knapp drei Quadratkilometer großen mittelalterlich geprägten Altstadtkern mit etwa 25 Pfarrkirchen und zahlreichen Bürgerhäusern überhaupt empfehlenswert für Menschen, egal mit welcher Art von Beeinträchtigung, ist. Immerhin befinden sich Sehenswürdigkeiten wie der Dom St. Marien oder die Citadelle Petersberg auf einer nicht gerade sanften Anhöhe. Und auch das Augustinerkloster weist einige mittelalterliche Barrieren auf.








Ich habe mir viele Ecken von Erfurt angeshaut. Natürlich ist - wie in jeder anderen Stadt auch - vieles nicht barrierefrei. Trotzdem lohnt sich ein Besuch, denn es wird viel dafür getan, in dieser Stadt alle Menschen willkommen zu heißen....


SERVICE:

Barrierefreie Unterkünfte:

In der Bildungs- und Begegnungsstätte „Am Luisenpark” der Lebenshilfe Erfurt finden Gruppen, Familien und Einzelreisende optimale Voraussetzungen, um erholsame und erlebnisreiche Tage in Erfurt zu verbringen. Das Haus liegt in einem der schönsten Wohnviertel Erfurts. Das historische Stadtzentrum ist schnell zu erreichen.
14 rollstuhlgerechte Einzel- und Doppelzimmer für 18 Rollstuhlfahrer, zum Teil mit Pflegebetten

Evangelisches Augustinerkloster zu Erfurt
Die Begegnungs- und Tagungsstätte weiß sich in klösterlicher Tradition einem schlichten Lebensstil verbunden. Die ruhige und friedliche Atmosphäre in den einfach und hell möblierten Zimmern – die weder mit TV, Radio noch Telefon ausgestattet sind – bietet Raum zum Abschalten nach einem ausgefüllten Tag.
Zugang über Rampe (Augustinerstraße), ebenerdiger Zugang zur Kirche, Innenhof ebenerdig erreichbar, 1. Obergeschoss des Klosters mittels Aufzug
1 rollstuhlgerechtes Zimmer


Info:
Weitere barrierefreie Unterkünfte finden Sie in der Broschüre „Erfurt – erlebbar für alle“
oder unter Tel. (0361) 66 40 202; assistentin@erfurt-tourismus.de.



Barrierefreie Freizeitangebote/Sehenswürdigkeiten:

Stadtführungen
Sie erleben einen Spaziergang durch die Altstadt mit Krämerbrücke, Rathaus, Universitätsviertel, vorbei an den Patrizier- und Fachwerkhäusern sowie dem monumentalen Ensemble von Dom und Severikirche. Die Führungen werden entsprechend ihren individuellen Wünschen und Bedürfnissen gestaltet. Für mobilitätseingeschränkte Gäste wird eine Tour mit der Niederflurbahn oder dem Altstadtbus empfohlen.

Für eine individuelle Tour für blinde und sehbehinderte Menschen steht auch ein I-Guide (audiovisueller Stadtrundgang) zur Verfügung.


Stadtrundfahrten
Ab Domplatz fährt der kleine Bus der Erfurter Altstadttour. Dieses Sightseeinggefährt bietet auch drei bis vier Rollstuhlfahrern Platz (Einstieg hinten mittels einer Rampe). Und es schafft problemlos den Anstieg hinauf auf das Plateau der Festung Petersberg. Dort können sich auch Rollstuhlfahrer gut bewegen und den Blick über Erfurt und das Erfurter Becken genießen.



Dom St. Marien/Severikirche
Zugang/Auffahrt über Lauentor / Severihof (mit Aufnahmegenehmigung bzw. nach Voranmeldung) Eingang über 1 Stufe (10 cm) oder barrierefreier Zugang über Extra-Tür (Nordportal), bitte hierfür das Personal informieren (nach Voranmeldung kann bei Auffahrt mit dem PKW das Fahrzeug auf dem Kirchhof geparkt werden / bitte unbedingt vorher beim Personal erfragen)

Hinweis für blinde und sehbehinderte Menschen: Taktiles Material zum Dom kann in der Dominforamtion oder im Dom direkt ausgeliehen werden

Hinweis für Menschen mit Hörbehinderung:

Nach Voranmeldung ist eine Führung in Gebärdensprache bzw. die Buchung eines Gebärdendolmetschers möglich.



Zitadelle Petersberg
Von der Bastion Philipp ist auch für Rollstuhlfahrer ein schöner Panoramablick auf das turmreiche Erfurt gegeben. Die Bronze-Reliefnachbildung der Festung und ihrer Bastionen am Wachhaus kann gut eingesehen werden. Die Petersberg-Information auf dem Festungsplateau ist ebenerdig zugänglich.
Vom Restaurant "Glashütte", in das auch Rollstuhlfahrer mit dem Aufzug gelangen können, bietet sich eine herrliche Aussicht über die Stadt. (Zugang zum Behinderten-WC im Restaurant Glashütte. Bitte klingeln)



Evangelisches Augustinerkloster zu Erfurt
Besichtigungen sind nur im Rahmen von Führungen möglich. Zugang über Rampe (Augustinerstraße), ebenerdiger Zugang zur Kirche, Innenhof ebenerdig erreichbar, 1. Obergeschoss des Klosters mittels Aufzug



Alte Synagoge
Sämtliche Ausstellungsflächen der Alten Synagoge sind über einen Aufzug barrierefrei zugänglich. Der Besucher wird mit einem Videoguide durch das Haus geführt, der über eine Hörschleife auch für Hörgeschädigte nutzbar ist. Sehgeschädigte können eine Tastführung über die Museumspädagogik des Hauses buchen.



Theater Erfurt
Zugang über Theaterplatz sowie über die Eingänge Abendkasse Martinsgasse und Bergstrom (Studiobühne). Alle Eingänge barrierefrei und ebenerdig.
Die 4 Rollstuhlplätze sind über einen behindertengerechten Aufzug zu erreichen.
Drei Behindertenparkplätze befinden sich direkt am Haupteingang des Theaters (nicht in der Tiefgarage).
Auf mehr als 50 % der Plätze sind Induktionsschleifen für Hörbehinderte verlegt, diese sind im Sitzspiegel markiert (von der vierten bis zur achtzehnten Parkett-Reihe). Untertitel werden bei ausgewählten Inszenierungen über der Bühne mit Projektion angezeigt.



Thüringer Landessportzentrum
Vor den Toren der Landeshauptstadt Erfurt wurde im Herbst 2009 das Thüringer Landessportzentrum für Menschen mit Behinderungen eröffnet. Das Haus ist im Besonderen auf die Bedürfnisse von Rollstuhlfahrern ausgerichtet und steht allen Gästen offen. Ebenfalls bietet das Haus optimale Voraussetzungen für Sportwettkämpfe oder Trainingslager.


Info
Weitere Informationen über die Barrierefreiheit der Erfurter Sehenswürdigkeiten erhalten Sie unter: