Sonntag, 15. Oktober 2017

Hautnah mit den Elefanten - 
Zu Gast im Elefantendorf Platschow


Alle sprachen seit Tagen davon, dass am Sonntag der Sommer zurückkehren würde. Richtig warm und sonnig sollte es werden. Anlass, einen Familienausflug ins Grüne zu planen. Die Frage war: Was kann man bei schönstem Wetter mit zwei kleinen Jungs im Freien anstellen, wenn der Eine noch nicht laufen, sondern nur beobachten kann und der Andere gerade dabei ist, die Welt zu entdecken und vor allem Tiere und Autos liebt. Meine Schwiegertochter schlug das Elefantendorf in Platschow vor, ein kleines Dorf im Süden Mecklenburg-Vorpommerns an der Grenze zu Brandenburg, nur etwa 15 Kilometer von der Ausfahrt 15 (Parchim) bzw. 16 (Suckow) der A24 (Hamburg-Berlin) entfernt. Hier lebt auf einem ehemaligen Bauernhof Familie Frankello mit afrikanischen und asiatischen Elefanten und vielen anderen Tieren: Kamele, Watussi-Rinder, Lamas, Esel, Enten, Hasen und vieles mehr.

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Meine Schwiegertochter war diejenige unter uns, die sich traute, auf einem der Elefanten zu reiten.

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Ein besonderes Highlight waren auch die aus der RTL-Show „Das Supertalent“ bekannten  Seelöwen „Itchy“ und „Scratchy“. Die Vorführungen mit den Seelöwen und die Zirkusvorführungen mit den Elefanten finden mehrmals täglich statt und sind im Eintrittspreis enthalten.


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Neben den vielen Tieren, die es zu entdecken gab, fand der kleine Emil ausreichend Gelegenheit zum Spielen. Man konnte auch etwas zu Essen kaufen. Wir hatten allerdings vorgesorgt und unser Picknick selbst mitgebracht. Dafür gab es genügend Tische und Bänke, auf denen man sich niederlassen und verweilen konnte.


Den nahegelegene Parkplatz konnten wir kostenfrei benutzen. Zugegeben, für mobilitätseingeschränkte Besucher war der Weg durch das Elefantendorf nicht ganz einfach. Es gibt zwar auf dem ganzen Gelände keine Treppen. Aber es empfiehlt sich eine Unterstützung beim Rollen über Kopfsteinplaster, Wiese und Sandboden. Es gibt hier aber sogar eine rollstuhlgerechte Dixie-Toiletten und einen Baby-Wickelraum. Hunde dürfen angeleint mitgebracht werden. Für sinnesbehinderte Menschen gibt es leider keine Angebote.



Samstag, 7. Oktober 2017

Auf der Suche nach einem barrierefreien Urlaubstipp   
                - touristische Angebote auf der REHACARE -



Ehrlich gesagt: Insgesamt war das touristische Angebot nicht so wirklich üppig auf der REHACARE. Aber so war es auch schon in den Jahren zuvor. Warum das so ist, weiß ich nicht. Liegt es an den hohen Standpreisen auf der Messe? Ist die Nachfrage nach barrierefreien Urlaubsangeboten zu gering? Oder gibt es gar zu wenige Offerten? Fakt ist, dass es in Deutschland insgesamt knapp zehn Millionen Menschen gibt, die mit einer Behinderung leben. Hinzu kommen die zahlreichen Angehörigen und all diejenigen, die in Zukunft altersbedingt auf barrierefreie Angebote angewiesen sein werden. Aus meiner Sicht eine bedeutende Zielgruppe, die durchaus auch über das nötige Kleingeld verfügt, um zu reisen.




Dass die Nachfrage groß ist, bestätigte mir Annette Rösler,  Projektmanagerin „Tourismus für Alle“ beim Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern. Sie berichtete, dass am Stand "Barrierefreies Reisen in Deutschland" kräftig der Bär steppte und dass das Interesse - besonders an einem barrierefreien Urlaub an der Ostseeküste - sehr groß war. 
(https://www.auf-nach-mv.de/barrierefrei)




Am gleichen Stand fand ich auch die Arbeitsgemeinschaft Barrierefreie Reiseziele in Deutschland. Dieses Netzwerk besteht aus Tourismusdestinationen, die sich der Barrierefreiheit in besonderem Maße verschrieben haben. Auch hier war meiner Beobachtung nach die Nachfrage groß. Ich persönlich bekam einen sehr interessanten Reisetipp. So wird noch in diesem Jahr in der Lausitz ein weiterer künstlicher See fertig geflutet sein. Man muss sich vorstellen, dass die Lausitz vor mehr als 100 Jahre vor allem durch die Braunkohle geprägt war. Das ist bald vorbei. Stattdessen entsteht hier die größte künstliche Wasserlandschaft Europas. Zehn Seen sind inzwischen touristisch nutzbar, also für Wassersport und zum Baden geeignet. Ein Dutzend Gewässer befindet sich „in der Flutung“, in ein paar Jahren sollen zehn Seen über Kanäle miteinander verbunden und schiffbar werden. Auf einer Pressereise im Jahre 2012 hatte ich bereits Gelegenheit, mir diese höchst zukunftsträchtige Landschaft anzusehen. Da ist es eigentlich an der Zeit, vor Ort nach dem Stand der Dinge zu sehen, oder?



Von besonderem Interesse ist aus meiner Sicht auch, dass die Hansestadt Rostock seit Anfang dieses Jahres zu den nunmehr zehn Regionen gehört, die sich in der AG Barrierefreie Reiseziele zusammengeschlossen haben. Eine Stadt, die wirklich viel zu bieten hat - und das sage ich nicht nur als gebürtige Rostockerin. Erst durch die Altstadt bummeln und dann am Stadthafen sitzen und einen Sonnenuntergang genießen, in Warnemünde lecker Fisch essen und danach einfach nur am Strand sitzen und den Blick über das Meer bis zum Horizont schweifen lassen - das ist einfach wunderbar.

Ich möchte an dieser Stelle ein paar weitere, wenn auch wenige Reisetipps geben.

SERVICE:

1 - Das HausRheinsberg stellte sich nach einem Relunch mit neuem Namen vor: Seehotel Rheinsberg - das barrierefreie Haus mit seinen zahlreichen Arrangements für jede Jahreszeit:
https://www.hausrheinsberg.de/

2 - Imminkhoeve (deutsch: Imminkhof) ist ein Ferienhof in der Provinz Overijssel mit in jeder Hinsicht behindertengerechten Unterkünften und einem Pflegehotel.
http://www.imminkhoeve.nl/de/homepage/ 

3 - Und nun noch ein Tipp für alle Wassersportler und solche, die es werden wollen:
Sailwise aus den Niederlanden bietet seit vielen Jahren Urlaub und Wassersport für Menschen mit Behinderungen an. Alle Einrichtungen, Unterkünfte, die Wassersportinsel Robinson, der Katamaran Beatrix und der Zweimastklipper Lutgerdina sind auf die Bedürfnisse von behinderten Menschen angepasst. Die Urlaubs- und Freizeitangebote werden von qualifiziertem Fachpersonal begleitet und unterstützt. Ich habe auf jeden Fall in Düsseldorf schon einmal Probesitzen in einem der Segelboote gemacht. (Foto siehe oben)
https://sailwise.nl/de/





Mittwoch, 4. Oktober 2017

Ein interessantes Angebot für mehr Mobilität







Wie ich bereits berichtete, bin ich auf der Suche nach einem Handbike, um meine Mobilität langfristig zu erhalten. Leider gibt es in diesem Jahr nicht viele diesbezügliche Angebote auf der REHACARE. Stricker und Speedy sind zum Beispiel nicht in Düsseldorf. Fündig wurde ich aber bei Wollturnus aus Dänemark. Die Rahmen ihrer Rollstühle und Handbikes werden angeblich aus den stärksten Materialien hergestellt - aus Aluminium 7020 T6, der stärksten schweißbaren Aluminiumlegierung, dessen Festigkeit alle Titanlegierungen übertrifft. Ich testete dieses Bike auch draußen und war ziemlich begeistert, auch von der Wendigkeit des Rollstuhls an sich..
Ein Video könnt Ihr Euch ansehen unter:
https://www.facebook.com/margit.glasow 

Nachteil: Der Rollstuhl von Wollturno hat zwar eine Hilfsmittelnummer in Deutschland, das Handbike, das übrigens in Spanien hergestellt wird, allerdings noch nicht, die ist erst beantragt worden. Meine Suche geht also weiter. 





Ich testete noch ein anderes Gefährt - und zwar der Firma Moretti aus Italien, allerdings ein reines E-Vorspannbike. Ich fand es recht stylisch, kommt für mich allerdings nicht in Frage weil es
kein Sportgerät ist und keine Hilfsmittelnummer hat. Der Preis liegt bei etwas über 3.000 €.


Montag, 2. Oktober 2017


Erfurt - Erinnerung an meine Reise im Jahre 2012



Immer wenn ich an meine Reise nach Erfurt im Jahre 2012 zurückdenke, kommt mir vor allem eines in Erinnerung: die eigens für mich von der Erfurt Tourismus & Marketing GmbH organisierte Stadtführung. Ich war nach Erfurt gereist, weil ich für das Magazin inklusiv! - Das Gesellschaftsmagazin für alle diese Stadt mit ihren Unterkünften, ihren kulturellen Angeboten und dem ÖPNV hinsichtlich der Barrierefreiheit unter die Lupe nehmen wollte. Der Stadtführer Matthias Gose gewährte mir damals einen tiefen Einblick in die geschichtliche Entwicklung der Stadt und zog in den vier Stunden unermüdlich immer wieder eine neue Story über Erfurt aus der Tasche. Toll war auch, dass ich für diese Stadtführung von der Klama GmbH einen Elektro-Scooter zur Verfügung gestellt bekommen hatte. Zu Fuß hätte ich vieles niemals sehen und erleben können.

Besonders beeindruckte mich bei der Stadtführung der Besuch der Mikwe - ein jüdisches Ritualbad aus dem 13. Jahrhundert, das 2007 von Archäologen entdeckt wurde. Ich fand den Gedanken interessant, dass dieses Bad zwar vor allem der Reinigung von ritueller Unreinheit durch Untertauchen diente, aber gleichzeitig natürlich unweigerlich auch der Hygiene. Mikwen unterliegen im Bau und in der Nutzung bestimmten Regeln. So muss vor allem das Wasser, das später zur rituellen Reinigung benutzt werden soll, besondere Anforderungen erfüllen. Es muss fließendes Wasser sein, das heißt, dass nur Wasser natürlichen Ursprungs für diesen Zweck genutzt werden kann. Frauen sollen die Mikwe am Vorabend der Hochzeit, nach der Menstruation oder der Geburt eines Kindes besuchen.





Auf die Entdeckung der Mikwe sind die Erfurter sehr stolz und möchten sie natürlich allen Erfurtern und Besuchern zeigen. Ein moderner Schutzbau dient der Sicherung des Gebäudes. Das Ritualbad kann im Rahmen von gebuchten und öffentlichen Führungen besichtigt werden. Die Gestaltung des barrierefreien Zugangs entwickelte sich zunächst nicht ganz einfach. Aber nun konnte ich bequem mit dem Scooter hineinfahren.



Es war die Krämerbrücke,

diese kleine, nur 120 Meter lange beschauliche Brücke mit ihren 32 Fachwerkhäusern, in die ich mich bei einer Reise nach Erfurt vor vielen Jahren sofort verliebte: Als ich durch die kleinen Lädchen für Kunsthandwerk und Antiquitäten bummelte, in die Fenster schaute und dabei die zum Teil wunderschön bemalten Decken bestaunte. Als ich dem Duft der exotischen Gewürze folgte und das erste Mal die Pralinen aus der Goldhelm Schokoladen Manufaktur probierte. Obwohl es für mich schon ein wenig mühsam war, diese Gewölbebrücke, die über die Gera führt, hinaufzukommen und anschließend die Gassen und Plätze der Altstadt im Umfeld der Krämerbrücke abzulaufen – und das teilweise auf Kopfsteinpflaster. Da drängte sich mir schon die Frage auf, ob der Besuch einer Stadt wie Erfurt mit einem knapp drei Quadratkilometer großen mittelalterlich geprägten Altstadtkern mit etwa 25 Pfarrkirchen und zahlreichen Bürgerhäusern überhaupt empfehlenswert für Menschen, egal mit welcher Art von Beeinträchtigung, ist. Immerhin befinden sich Sehenswürdigkeiten wie der Dom St. Marien oder die Citadelle Petersberg auf einer nicht gerade sanften Anhöhe. Und auch das Augustinerkloster weist einige mittelalterliche Barrieren auf.








Ich habe mir viele Ecken von Erfurt angeshaut. Natürlich ist - wie in jeder anderen Stadt auch - vieles nicht barrierefrei. Trotzdem lohnt sich ein Besuch, denn es wird viel dafür getan, in dieser Stadt alle Menschen willkommen zu heißen....


SERVICE:

Barrierefreie Unterkünfte:

In der Bildungs- und Begegnungsstätte „Am Luisenpark” der Lebenshilfe Erfurt finden Gruppen, Familien und Einzelreisende optimale Voraussetzungen, um erholsame und erlebnisreiche Tage in Erfurt zu verbringen. Das Haus liegt in einem der schönsten Wohnviertel Erfurts. Das historische Stadtzentrum ist schnell zu erreichen.
14 rollstuhlgerechte Einzel- und Doppelzimmer für 18 Rollstuhlfahrer, zum Teil mit Pflegebetten

Evangelisches Augustinerkloster zu Erfurt
Die Begegnungs- und Tagungsstätte weiß sich in klösterlicher Tradition einem schlichten Lebensstil verbunden. Die ruhige und friedliche Atmosphäre in den einfach und hell möblierten Zimmern – die weder mit TV, Radio noch Telefon ausgestattet sind – bietet Raum zum Abschalten nach einem ausgefüllten Tag.
Zugang über Rampe (Augustinerstraße), ebenerdiger Zugang zur Kirche, Innenhof ebenerdig erreichbar, 1. Obergeschoss des Klosters mittels Aufzug
1 rollstuhlgerechtes Zimmer


Info:
Weitere barrierefreie Unterkünfte finden Sie in der Broschüre „Erfurt – erlebbar für alle“
oder unter Tel. (0361) 66 40 202; assistentin@erfurt-tourismus.de.



Barrierefreie Freizeitangebote/Sehenswürdigkeiten:

Stadtführungen
Sie erleben einen Spaziergang durch die Altstadt mit Krämerbrücke, Rathaus, Universitätsviertel, vorbei an den Patrizier- und Fachwerkhäusern sowie dem monumentalen Ensemble von Dom und Severikirche. Die Führungen werden entsprechend ihren individuellen Wünschen und Bedürfnissen gestaltet. Für mobilitätseingeschränkte Gäste wird eine Tour mit der Niederflurbahn oder dem Altstadtbus empfohlen.

Für eine individuelle Tour für blinde und sehbehinderte Menschen steht auch ein I-Guide (audiovisueller Stadtrundgang) zur Verfügung.


Stadtrundfahrten
Ab Domplatz fährt der kleine Bus der Erfurter Altstadttour. Dieses Sightseeinggefährt bietet auch drei bis vier Rollstuhlfahrern Platz (Einstieg hinten mittels einer Rampe). Und es schafft problemlos den Anstieg hinauf auf das Plateau der Festung Petersberg. Dort können sich auch Rollstuhlfahrer gut bewegen und den Blick über Erfurt und das Erfurter Becken genießen.



Dom St. Marien/Severikirche
Zugang/Auffahrt über Lauentor / Severihof (mit Aufnahmegenehmigung bzw. nach Voranmeldung) Eingang über 1 Stufe (10 cm) oder barrierefreier Zugang über Extra-Tür (Nordportal), bitte hierfür das Personal informieren (nach Voranmeldung kann bei Auffahrt mit dem PKW das Fahrzeug auf dem Kirchhof geparkt werden / bitte unbedingt vorher beim Personal erfragen)

Hinweis für blinde und sehbehinderte Menschen: Taktiles Material zum Dom kann in der Dominforamtion oder im Dom direkt ausgeliehen werden

Hinweis für Menschen mit Hörbehinderung:

Nach Voranmeldung ist eine Führung in Gebärdensprache bzw. die Buchung eines Gebärdendolmetschers möglich.



Zitadelle Petersberg
Von der Bastion Philipp ist auch für Rollstuhlfahrer ein schöner Panoramablick auf das turmreiche Erfurt gegeben. Die Bronze-Reliefnachbildung der Festung und ihrer Bastionen am Wachhaus kann gut eingesehen werden. Die Petersberg-Information auf dem Festungsplateau ist ebenerdig zugänglich.
Vom Restaurant "Glashütte", in das auch Rollstuhlfahrer mit dem Aufzug gelangen können, bietet sich eine herrliche Aussicht über die Stadt. (Zugang zum Behinderten-WC im Restaurant Glashütte. Bitte klingeln)



Evangelisches Augustinerkloster zu Erfurt
Besichtigungen sind nur im Rahmen von Führungen möglich. Zugang über Rampe (Augustinerstraße), ebenerdiger Zugang zur Kirche, Innenhof ebenerdig erreichbar, 1. Obergeschoss des Klosters mittels Aufzug



Alte Synagoge
Sämtliche Ausstellungsflächen der Alten Synagoge sind über einen Aufzug barrierefrei zugänglich. Der Besucher wird mit einem Videoguide durch das Haus geführt, der über eine Hörschleife auch für Hörgeschädigte nutzbar ist. Sehgeschädigte können eine Tastführung über die Museumspädagogik des Hauses buchen.



Theater Erfurt
Zugang über Theaterplatz sowie über die Eingänge Abendkasse Martinsgasse und Bergstrom (Studiobühne). Alle Eingänge barrierefrei und ebenerdig.
Die 4 Rollstuhlplätze sind über einen behindertengerechten Aufzug zu erreichen.
Drei Behindertenparkplätze befinden sich direkt am Haupteingang des Theaters (nicht in der Tiefgarage).
Auf mehr als 50 % der Plätze sind Induktionsschleifen für Hörbehinderte verlegt, diese sind im Sitzspiegel markiert (von der vierten bis zur achtzehnten Parkett-Reihe). Untertitel werden bei ausgewählten Inszenierungen über der Bühne mit Projektion angezeigt.



Thüringer Landessportzentrum
Vor den Toren der Landeshauptstadt Erfurt wurde im Herbst 2009 das Thüringer Landessportzentrum für Menschen mit Behinderungen eröffnet. Das Haus ist im Besonderen auf die Bedürfnisse von Rollstuhlfahrern ausgerichtet und steht allen Gästen offen. Ebenfalls bietet das Haus optimale Voraussetzungen für Sportwettkämpfe oder Trainingslager.


Info
Weitere Informationen über die Barrierefreiheit der Erfurter Sehenswürdigkeiten erhalten Sie unter:











Donnerstag, 28. September 2017

Vorbereitung auf die REHACARE



Es ist wieder soweit. Am kommenden Mittwoch beginnt die REHACARE. Und ja, ich werde dabei sein. Ich habe insbesondere zwei Ziele in Düsseldorf: Zum einen möchte ich mich umsehen, was es in punkto barrierefreiem Tourismus an Angeboten gibt. Vielleicht finde ich neue Reiseziele, die ich für Euch besuchen und darüber in meinem Blog berichten kann. Als kleine Einstimmung werde ich für Euch am Wochenende noch einmal meine Reise nach Erfurt in Erinnerung rufen, die ich 2014 für das Magazin unternommen hatte. Erfurt ist ja bekanntlich eine der Städte, die Mitglied der AG Barrierefreie Reiseziele ist.

Zum anderen will ich mich auf der Messe in Düsseldorf nach Möglichkeiten umschauen, wie ich meine persönliche Mobilität langfristig erhalten und vielleicht sogar noch verbessern kann. Im Klartext: Ich werde mir Handbikes und andere fahrbare Untersetzer anschauen. Immerhin will ich ja weiterhin in Stadt und Land unterwegs sein. Das Teil muss also auch tauglich sein, um in der DB mitgenommen zu werden. Ich werde Euch ausführlich von meinen Entdeckungen berichten.

Wer Lust hat, in der Zeit von Mittwochvormittag bis Freitagmittag mit mir ein Käffchen in der Presselounge oder anderswo rund um die Messe zu trinken, kann sich gern bei mir melden.
Ich freue mich auf Euch.

Sonntag, 24. September 2017

Gegen die Höhenangst - Stück für Stück dem Himmel entgegen




Es war der 2. August. Mein Zug nach Bergen auf Rügen ging früh, schon um 7.00 Uhr. Von dort weiter mit dem Bus bis Prora Forsthaus. Nein, ich wollte an jenem Tag nicht auf den Spuren der Geschichte des "Kolosses von Prora" wandeln. Die Auseinandersetzung damit hob ich mir für einen späteren Zeitpunkt auf. Ich wollte auch nicht darüber befinden, ob es umweltverträglich war, hier mitten in die Natur einen Baumwipfelpfad zu setzen. In die Beantwortung dieser Frage wollte ich mich ebenfalls ausfühlich vertiefen. Ich wollte mir die Sache ausschließlich unter dem Gesichtspunkt der Barrierefreiheit anschauen. Hatte ich doch schon einiges darüber gehört, dass in dieser Beziehung nicht alles optimal umgesetzt worden sei.

Zunächst versuchte ich allerdings, das Knurren des Busfahrers, der an diesem Tag wohl besonders schlechte Laune hatte und von jedem Touristen genervt zu sein schien, zu ignorieren. Der Humor sitzt halt hier oben manchen Leuten nicht gerade auf der Zungenspitze. Den muss man mitunter von ganz tief unten ausbuddeln. Ich wollte mir den Tag aber nicht verderben lassen, denn die Sonne schien endlich einmal ausgiebig, was ja in diesem Sommer nicht allzu oft der Fall war. Frohen Mutes marschierte ich los, immer in der Mitte des Holzweges, der sanft bergan führte. Ich ließ dabei die mächtigen Baumkronen der Buchen auf mich wirken - meine Höhenangst hielt sich noch in Grenzen. Die Besucher können sich hier in einer Höhe von 4 bis 17 Metern über dem Erdboden einen Eindruck der Tier- und Pflanzenwelt des umgebenden Buchenmischwaldes und von den Erlenbrüchen verschaffen.

Ich lief auf dem insgesamt 1.250 Meter langen Pfad an verschiedenen Erlebnisstationen vorbei. An einer Wasserpumpe konnte man zum Beispiel durch Kurbeln nachempfinden, welche Kraft ein Baum aufbringen muss, um Wasser über die Wurzeln bis in die Baumwipfel zu transportieren. Ich selbst probierte das nicht aus, sondern schaute den Besuchern dabei zu, während ich einen Moment auf einer Bank verweilte. Viele Gruppen und Einzelwanderer waren unterwegs, alle interessiert und fröhlich.





Aber dann stand ich vor dem 40 Meter hohen Aussichtsturm, der - erklimmt man ihn - einen weiten Blick in die Rügener Landschaft erlaubt. Sollte ich da hinauf? 1000 Meter waren abermals angezeigt. Ein für mich weiter Weg, denn ich war ja schon ein Stück gelaufen .Ich entschied mich, so weit zu gehen, bis ich nicht mehr konnte - oder bis meine Angst mich übermannen würde. Ich konnte ja jederzeit umkehren. Doch je höher ich kam, umso mehr reizte es mich, weiter zu gehen. Ich schaute immer geradeaus, nur nicht hinunter blicken. Nein, dann durchströmte es mich fast schmerzhaft wie ein elektrischer Impuls. Nur noch zwei Rundungen, nur noch eine....




Oben. 82 Metern über dem Meeresspiegel. Ich schaute in die Ferne, auf das Wasser, erahnte die Kirchturmspitze von Stralsund und die Pylonen der Rügenbrücke. Der Turm wurde einem Adlerhorst nachempfunden, mit etwas Glück soll man von hier die heimischen Seeadler der umliegenden Wälder auf ihren Ausflügen beobachten können. Für mich aber zählte vor allem das Hochgefühl, diesen anstrengenden Marsch bis hier oben geschafft zu haben. Für mich an eine Grenze gekommen zu sein. Und die Weite empfinden zu können.



IGELKRITIK:
Der Baumwipfelpfad ist aus meiner Sicht nur bedingt barrierefrei. Wer den Pfad im Rollstuhl erklimmen will, muss relativ fit und ausdauernd sein, es sei denn, er bekommt Unterstützung. Was ich nicht verstanden habe, ist die Tatsache, dass es nur am Ende des Rundganges einen Fahrstuhl gibt. Man muss also zunächst alle Steigungen überwinden, bevor man den Fahrstuhl nutzen kann. Für blinde oder sehbehinderte Menschen habe ich - außer an der Bushaltestelle - kein Blindenleitsystem finden können. Das ist ein absolutes Manko.


Samstag, 23. September 2017

Rückfahrt nach Hause


Neun Tage Krankenhaus lagen hinter mir. Würde die Rückfahrt klappen? Immerhin konnte ich mich noch nicht wie gewohnt belasten. Ich brauchte also jemanden, der mich mit samt meines Koffers in den Zug setzte, ohne dass ich mich groß anstrengen musste.

Rat kam von einer Grünen Dame. Ich kannte diese ehrenamtlichen Damen und Herren, die wohl  schon seit über 40 Jahren bundesweit kranke und hilfebedürftige Menschen in mehr als 600 Krankenhäusern und Altenhilfe-Einrichtungen besuchen, bisher nicht. Eine dieser Damen stand eines Morgens in meinem Zimmer und ich dachte mir, Fragen kostet nichts. Sie reagierte überaus freundlich und versprach, sich kundig zu machen. Eine Stunde später erschien sie erneut und übergab mir ein kleines Zettelchen - mit der Telefonnummer der Bahnhofsmission. Am Vorabend meiner Entlassung rief ich dort tatsächlich an. Und erhielt die Zusage, dass man mich mit meinem Gepäck zum Zug bringen würde. 

Als größter Unsicherheitsfaktor erwies sich die Frage, ob die Ärzte es schaffen würden, mir bis 9.30 Uhr die Entlassungspapiere zu übergeben. Und genau in dieser Hinsicht musste ich Druck machen - die Ärzte wussten, dass ich mit dem Zug um 11.09 Uhr ab Kölner Hauptbahnhof fahre wollte, dem einzigen Zug, der nach Rostock durchfuhr. Trotzdem - ich musste zweimal ins Schwesternzimmmer und an meine Papiere erinnern.

Aber dann lief alles nach Plan. Man brachte mich mit meinem Koffer zum Haupteingang, bestellte ein Taxi, das innerhalb von ein paar Minuten vorfuhr und mich bis zum Domplatz brachte.


Zwei Herren von der Bahnhofsmission erwarteten mich dort in ihren blauen Westen am Taxistand und übernahmen meinen Koffer. Ich hatte ausreichend Zeit eingeplant, so konnte ich in Ruhe eine Fahrkarte kaufen und sogar noch einen Tee in der DB Lounge trinken. Ich musste nur die kurzen Wege laufen und freundlch lächeln. Alle halfen mir. Und so saß ich schließlich im der 1. Klasse des IC nach Greifswald. Der Zug war zwar ziemlich voll und für eine Reservierung war es zu spät gewesen. Aber ich saß und benutzte zunächst meinen Koffer, um mein Bein hochzulagern. Ab Hamburg wurde es dann wie erwartet leerer. Pünktlich um 17.06 Uhr traf ich in Rostock ein. Fast zwei Wochen nach meiner Hinfahrt - endlich zu Hause. Mein Sohn erwartete mich und übernahm meinen Koffer. Vor mir lag ein ruhiger Abend mit Familie und gutem Essen.

Sonntag, 17. September 2017

Krankenhauskost - Kost, die kostet









Aus dem Salat wurde nichts. Frischer Salat am Wochenende in der Cafetería - ein Fall von denkste. Aus Frust stopfte ich mir zwei Stückchen Kuchen rein. Ganz ohne Nachdenken. Einfach nur mal wieder satt sein.


Nicht, dass das Krankenhausessen nicht eh schon schlecht wäre. Nein, ich hatte noch zwei Intoleranzen bei der stationären Aufnahme angegeben. Denn immerhin wirkt sich zum Beispiel eine Histaminintoleranz auch darauf aus, welche Medikamenten gegeben werden dürfen. Da war es wichtig, das anzugeben, auch wenn ich dafür in den meisten Fällen, auch bei einigen Ärzten, fragende Blicke erntete.


Meine Angaben hatten aber insbesondere eine Überfoderung der Diätassistemtin, die hier für jeden Patienten einen individuellen Speiseplan

erstellt, zur Folge. Im Gegensatz zu meiner Bettnachbarin bekam ich diese Person allerdings in allen Tagen meines Aufenthaltes nicht zu Gesicht.

Fühlte sie sich meinen etwaigen Fragen nicht gewachsen? Warum ich zum. Beispiel zum Frühstück jeden Tag ein Weizenbrütchen und eine

Roggenbrotschnitte mit Margarine und - für Brötchen und Stulle zusammen - einen Becher Honig bekam? Ohnehin nicht sehr üppig - wollte man, dass ich endlich ein paar Pfunde verlöre? Allerdings weiß jeder, der sich nur ansatzweise mit dem Problem der Nahrungsmittelunverträglichkeiten beschäftigt, dass Backwaren Milch enthalten und Honig Histamin. Zum Abendessen bekam ich wieder zwei Stullen mit Margarine, einer Scheibe - ebenfalls für beide Stullen zusammen - löchrigen Käses und einem kleinen Becher Pflaumenmus. Ab und zu einen laktosefreien Pudding oder Fruchtjoghurt. Auch das geht bei Histamin gar nicht. Das Mittagessen ohne jegliche Gewürze inklusive Salz - ich wusste gar nicht, dass ich herz- oder nierenkrank war.


Ich erhob Einspruch und bat darum, zum Frühstück nur noch Obst zu bekommen, immerhin hatte ich Hirseflocken dabei, die man nur mit heißem Wasser übergießen musste. Das zumindest bekam ich auf der Station. Zum Mittag wollte ich weder Fleisch noch Fisch und absolut keine Backwaren, am Abend nur Salat. Es klappte nach zwei Tagen tatsächlich, allerdings weiterhin ohne jeglichen Gewürze. Nun ja, eine schwierige Sache, insbesondere wenn man davon ausgeht, dass gesundes Essen auch zur Gesundung der Patienten beitragen soll.


Aus England kommt zum Beispiel eine Studie, wonach Krankenhausessen die Gesundheit gefährden kann. Das National Institute of Health and Care Excellence, das die Qualität des berüchtigten staatlichen Gesundheitswesens überprüft, hat angeblich herausgefunden, dass ältere Patienten das Krankenhaus oft mit Mangelerscheinungen verlassen. Weil sie das Essen entweder nicht vertragen oder sie es, hilfsbedürftig wie sie sind, nicht zu sich nehmen können.


Es ist schon merkwürdig. Man muss ins Krankenhaus, um gesund zu werden, und dann erkrankt man am Essen. Hierzulande isst übrigens gerade mal die Hälfte der Patienten in Krankenhäusern ihr Mittagessen auf, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung festgestellt hat. Das wiederum

kann die Heilung verzögern und die Kosten erhöhen. Kein Wunder, dass Essen im Krankenhaus „Kost“ heißt.



























Samstag, 16. September 2017

Zwischenstation Krankenhaus Köln

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Es war ein anstrengender Tag gewesen, der 8. September. Ich reiste zum Kongress "Eine Schule für alle. Inklusion schaffen wir" von Rostock nach Köln. Erst die lange Fahrt, dann mit dem Koffer in der einen und zwei Krücken in der anderen Hand ins Hotel, von dort direkt zum Kongress, um bei der abendlichen Podiumsdiskussion dabei zu sein. Als ich anschließend das Unigebäude verließ, regnete es heftig und ich hatte noch einen ziemlich langen Weg vor mir. Ein Taxi nicht in Sicht. Als ich endlich im Hotel war, spürte ich meine Erschöpfung.

Nachdem ich am nächsten Morgen die Hälfte des Weges zur Uni zurückgelegt hatte, beschloss ich, mir vom Kölner Neumarkt ein Taxi zu nehmen, denn ich hatte heftige Schmerzen im Oberschenkel und wollte das letzte, für mich nicht ganz kurze Stück, nicht laufen. Gesagt, getan. Ich stieg in ein Taxi und nannte dem Fahrer meinen Zielort: Hauptgebäude der Uni Köln. Er sah mich erstaunt an und fragte: "Wissen Sie, wie wir fahren müssen?"

"Nein", entgegnete ich. Er kannte den Weg nicht und auch das Navi gab ihm offensichtlich nicht die richtige Antwort, denn wir fuhren immer wieder im Kreis. Irgendwann forderte er mich auf auszusteigen. "Nein", sagte ich abermals entschieden. "Wie sie sehen, kann ich schlecht laufen", und deutete auf meine Krücken. "Außerdem habe ich Schmerzen und wenn sie mich hier mitten in einem mir unbekannten Gebiet rauslassen, habe ich ein Problem."

Ich ließ mir schließlich von einem Passanten auf der Straße den Weg erklären. Auch danach suchten wir noch eine Weile, ich wurde abermals aufgefordert auszusteigen, bis wir schließlich doch auf dem
Albertus-Magnus-Platz ankamen und ich etwa 30,00 € bezahlte statt der für die Entfernung angemessenen etwa 12,00 €. Aber gut, ich schluckte die bittere Pille.

Am Nachmittag machte ich mir zunehmend Sorgen um mein Bein, denn die Schmerzen wurden nicht besser. So beschloss ich, die Angelegenheit doch einem Fachmann vorzustellen, und begab mich in die kasssenärztliche Notaufnahme. Ergebnis: Keine befürchtete Thrombose, Entzündungswerte zwar hoch, aber warum, wusste niemand. Ich durfte wieder nach Hause.

Ich fuhr zurück ins Hotel. Erleichterung stellte sich nicht wirklich ein. Hätte ich darauf bestehen
sollen, zur Beobachtung im Krankenhaus zu bleiben? Ich quälte mich stattdessen auch am darauffolgenden Tag zum Kongress, hielt bis zum Schluss durch und begab mich am Nachmittag wieder ins Hotel. Dann erst einmal was essen. Als ich mir am Abend mein Bein anschaute, wusste ich, dass ich handeln musste: Es war heiß, rot und dick angelaufen. Ich packte meine Sachen, rief mir
ein Taxi und fuhr ins Krankenhaus. Diagnose:Venenentzündung.

Nun bin ich nach einer knappen Woche Krankenhausaufenthalt auf dem Weg der Besserung. Ich habe die Tage genutzt: Ich habe viel nachgedacht, vor allem, was ich verändern muss und kann, um weiterhin mobil zu bleiben. Und ich habe endlich mal wieder in Ruhe ein Buch gelesen. Vor allem habe mir einen persönlichen Eindruck davon verschafft, was sich hinter dem Wort "Pflegenotstand" verbirgt. Darüber werde ich in meinem nächsten Blogbeitrag berichten.


Mittwoch, 30. August 2017

Wie barrierefrei ist die IGA 2017 in Berlin?



Heute war ich auf der IGA in Berlin, um für einen Artikel zu recherchieren, der in Kürze im Magazin PARAlife erscheinen wird. Um Euch neugierig darauf zu machen, veröffentliche ich an dieser Stelle
schon ein paar kleine Videosequenzen. Und so viel sei - trotz aller Kritik - schon verraten: Ein Besuch lohnt sich, auch im Rollstuhl. Denn nur wenn man selbst vor Ort war, kann man mitreden.

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Besonders schön waren die Dahlien. Dazu nehme ich Euch mit auf eine kleine Scooterfahrt:

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Interessant war auch der Christengarten:

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Der Hochgarten gibt einen Einblick, wie man zum Beispiel auch aus dem Rollstuhl heraus Beete bepflanzen kann:

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Und hier könnt ich mich auf der Rückfahrt direkt in der Gondel der Seilbahn begleiten:

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Ich hoffe, ich konnte Euch ein wenig neugierig machen. Es wird auf jeden Fall nicht nur um die Frage der Barrierefreiheit gehen, sondern zum Beispiel auch darum, wie sinnvoll Gartenausstellungen für die Regionen sind.

Samstag, 26. August 2017

Guten Morgen Trier!


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Als ich im August einen Tag in Trier verbrachte, traf ich unter anderem Gerd Dahm, den Beauftragten der Menschen mit Behinderungen der Stadt Trier. Mit ihm sprach ich über die Barrierefreiheit dieser alten Römerstadt, die er als durchwachsen einschätzte. Er sagte mir, dass oftmals immer noch der Denkmalschutz gegenüber der Barrierefreiheit überwiege. Viel Kopfsteinpflaster sei verlegt und ein Toilettenkonzept fehle noch völlig. Relativ wenig Probleme gebe es aber bei der Gestaltung des barrierefreien ÖPNV.

SERVICE
Wer als Mensch mit einer Mobilitätseinschränkung weiterführende Informationen sucht,
kann hier schauen:
http://www.trier-info.de/barrierefreies-trier

Ich habe mich in diesem Zusammenhang erinnert, dass ich bereits im Jahre 2005 einen Artikel über "Rhein und Mosel" für das Magazin PARAPLEGIKER geschrieben habe, den ich an dieser Stelle noch einmal veröffentlichen möchte. Einziger Unterschied zu damals: Ich bin jetzt eher mit der Bahn als mit dem Auto unterwegs.




Reise zu Rhein und Mosel:

Wein und Romantik

Ich bin eine Vielreisende, und zwar aus Leidenschaft. Sobald ich ein paar Tage zu Hause verbracht habe, überfällt mich eine Unruhe und es zieht mich hinaus, um Neues kennen zu lernen, neue Landstriche und vor allem neue Menschen. Wegen meiner Gehbehinderung reise ich am Liebsten auf eigene Faust mit dem Auto. Auf die Weise komme ich überall hin, niemand muss auf mein langsames Gehtempo Rücksicht nehmen und ich kann soviel Gepäck mitnehmen, wie ich will.

Eines meiner Lieblingsreiseziele in Deutschland ist der Rhein. Vielleicht liegt das daran, dass ich selbst gern einen guten Tropfen trinke und mir das Temperament der Rheinländer so gefällt. Sicherlich ist es aber auch die einzigartige Landschaft mit ihren Weinbergen, den vielen Burgen und Schlössern und den verträumten kleinen Orten links und rechts des Weges.

Der Moselwein ist der Wein für den Karneval, er muss perlen, wenn er ins Glas kommt. Frisch und noch etwas rebellisch trinkt man den und vor allem nicht wenig. Die Weine vom Rhein hingegen soll man erst trinken, wenn sie ausgereift sind. Ich wollte den Unterschied herausfinden. Meine eigentliche Aufgabe bestand zwar nicht darin, Wein zu probieren, sondern Hotels und Sehenswürdigkeiten der Region auf ihre Barrierefreiheit zu prüfen. Aber warum sollte ich nicht das Nützliche mit dem Praktischen verbinden?

Ich bezog zunächst Quartier im Hotel „Haus Oberwinter“. Dieses Hotel liegt bei Remagen, 10 bis 15 Autominuten südlich von Bonn, auf einer kleinen Anhöhe. Nähert man sich aus Richtung Bonn, muss man die scharfe Kurve am Fuße der Anhöhe schon etwas geschickt nehmen. Doch oben angekommen, entschädigt der herrliche Blick auf den Rhein sofort. Ich konnte mich davon überzeugen, dass dieses Hotel gut für den Aufenthalt von Menschen mit Behinderungen, auch für Gruppen, geeignet ist. Mit dem Fahrstuhl erreicht man jede Etage des Hauses, die sanitären Anlagen der modernen Zimmer verfügen über die entsprechenden Haltegriffe, die Duschen sind unterfahrbar und das Schwimmbad des Hauses ist mit einem Lifter ausgestattet. Besonders gefiel mir allerdings, am Morgen die Frühnebel über dem Rhein aufsteigen zu sehen und den Abend auf der Terrasse bei einem Glas Wein ausklingen zu lassen.

Berollbare Ruinen
Am nächsten Morgen machte ich mich auf den Weg nach Trier, um auf den Spuren der Römer zu wandeln. Den Stadtführer für Menschen mit Behinderungen hatte ich vorher aufmerksam studiert. Das Thermometer zeigte bereits am Morgen weit über 20 Grad an. Ich befuhr ohne Eile die Bundesstraße 9 bis kurz vor Koblenz und genoss die Landschaft mit dem Rhein zur Linken und den Weinbergen zur Rechten. Dann wechselte ich auf die A 48 und überquerte schließlich die Mosel, kurz bevor ich Trier erreichte.



Als erstes besuchte ich die Kaiserthermen, laut Stadtführer teilweise für Rollstuhlfahrer zugänglich. Diese Ruine einer antiken Bäderanlage aus dem vierten Jahrhundert ist überraschend gut erhalten. Mühsam stieg ich die alte Steintreppe herab in die weit verzweigte wieder ausgegrabene luxuriöse Bäderkultur vergangener Tage. Diese unterirdischen Gewölbe sind natürlich für Rollstuhlfahrer nicht befahrbar. Die Ruine lässt sich aber auch von außen entdecken, um sich so einen Eindruck von der Lebensweise der Römer zu verschaffen, zumal der nahe gelegene Palastgarten mit dem Kurfürstlichen Palais zu einem Spaziergang einlädt.

Im Amphitheater werden die Spektakel der Gladiatoren- und Tierkämpfe erst in ein paar Tagen beginnen. Die Porta Nigra war leicht zu finden, schwarz und gewaltig stand sie mitten im Zentrum. Der Dom, die älteste deutsche Bischofskirche und die daneben liegenden Liebfrauenkirche bilden zusammen eine antike Doppelkirchenanlage. Beide sind gut berollbar. (Was man vom Karl-Marx-Geburtshaus nicht sagen kann; Anm.d.Red.)

Ich bummelte noch eine Weile durch die Gassen, kaufte Obst auf dem Hauptmarkt mit seinem Petrusbrunnen und den Fachwerkhäusern aus dem 16. und 17. Jahrhundert. In Trier schien es nicht diese hektische Geschäftigkeit zu geben wie in vielen anderen deutschen Städten, die Leute schlenderten gemächlich über Straßen und Plätze, saßen in einem der zahlreichen Straßencafés und manche gönnten sich schon jetzt einen Schoppen Wein in Vorfreude auf die bevorstehende Weinernte. Trier gilt als die Wiege deutscher Weinkultur. Alles, was sich in Deutschland auf Wein, Weingeschichte und -brauchtum bezieht, findet in Trier seinen Ursprung. 2 000 Jahre Weinanbau, Weinhandel und Weinkultur haben die Römerstadt geprägt. Irgendwann war ich völlig erschöpft, die Füße brannten. Ich freute mich darauf, zum Abendessen auf der Terrasse im „Haus Oberwinter“ einen kühlen Riesling zu trinken.

Trinken und sinnieren
Auch die Koblenzer Altstadt bietet zahlreiche Kulturdenkmäler und historische Bauwerke. Von der Preußischen Festungsanlage Ehrenbreitstein aus kann man 118 Meter in die Tiefe hinunter sehen auf das Deutsche Eck mit dem wieder errichteten Reiterdenkmal, dort wo sich Rhein und Mosel treffen. Das Hotel „Zum Stüffje“, das mitten im Stadtzentrum unweit vom Deutschen Eck liegt und über 10 rollstuhlfreundliche Zimmer verfügt, ist nur fünf Gehminuten entfernt vom Weindorf direkt am Rhein. In vier großzügigen Weinhäusern, deren idyllischer Mittelpunkt der Dorfplatz ist, kann man gesellige Stunden verbringen und Weine vom Rhein und von der Mosel ganz nach Herzenslust probieren.

Wer an den Rhein fährt, denkt natürlich unwillkürlich an die Loreley, die viel besungene Jungfrau auf dem Felsen über dem Rhein, die so viele Schiffer ins Verderben gestürzt hat. Der Loreleyfelsen war mit seinem Besucherzentrum und dem Landschaftspark eines der weltweiten Projekte der EXPO 2000 und wurde in diesem Zusammenhang barrierefrei gestaltet. Tatsächlich ist das gesamte Gelände gut berollbar, eine Behindertentoilette ist vorhanden und man kann auch aus der Perspektive eines Rollstuhlfahrers den Blick über das Rheintal genießen. Die Erlebnisausstellung vermittelt auf unterhaltsame Weise Wissenswertes über den Mythos Loreley, aber auch über alle Einzelheiten der Region.

Vom Besucherzentrum aus fuhr ich hinunter nach Goarshausen zu einer der Anlegestellen der Köln-Düsseldorfer Schifffahrtsgesellschaft. Als einzige Reederei befährt die KD täglich mehrfach die gesamte Strecke des UNESCO Welterbes Mittelrhein. Diese Reederei verfügt zum Teil über ganz moderne Schiffe, auf denen auch Rollstuhlfahrer bequem per Lift ans Oberdeck gelangen und den Blick auf die Landschaft wirklich genießen können. Seit dem 17. Juni letzten Jahres hat die KD-Schifffahrt ein neues Flaggschiff, „MS RheinEnergie“, das größte und modernste Flussschiff Europas.

Am letzten Tag meiner Erkundungstour ging es noch einmal an die Mosel. In Cochem erwartete mich ein buntes Gewimmel von Touristen, die sich fröhlich in den engen Gassen und auf den Märkten der Altstadt tummelten. Wahrzeichen der Region ist natürlich die weithin sichtbare Reichsburg, die hoch auf dem Felsen über dem Ort thront. Leider ist es für Rollstuhlfahrer so gut wie unmöglich, dort hinauf zu kommen. Der Shuttle-Bus bringt die Besucher hinauf, allerdings nur bis 300 Meter unterhalb der Burg. Doch dann folgt das schwierigste und steilste Stück auf Sandwegen.

Der Wein bestimmt das Leben im Cochemer Land. Nirgends gedeiht der Riesling vortrefflicher als an den steilen Schieferwänden der Mosel. Deshalb wird an jeder Ecke auch der Moselwein zum Kauf angeboten. Zu Hause kann man dann in Ruhe und ausgiebig vom Mosel und vom Rheingau trinken und darüber sinnieren, worin wohl die Unterschiede liegen…

Text & Fotos:
Margit Glasow